Donnerstag, 22. August 2019

Eiweißmangel oder nur Lust auf Süßes?

Vor einiger Zeit habe ich gelesen, dass Eiweißmangel sich oft als Heißhunger auf Süßes äußert. Das hat mich ziemlich zum Nachdenken gebracht. Der Zusammenhang war mir zwar schon längere Zeit bewusst, allerdings habe ich es erst so richtig selbst gespürt, als ich einige Zeit mal unabsichtlich etwas weniger Eiweiß als sonst gegessen habe. Da konnte ich sofort den Unterschied zwischen dem Eiweißappetit und sonstigem Hunger erkennen.

Unterschied zwischen Appetit auf Eiweiß und Appetit auf Süßes


Der Eiweißappetit äußerte sich so, dass ich mir beim Gedanken an Eiweißhaltiges sofort das Wasser im Mund zusammenlief. Und beim Gedanken an Schokolade war das dann auch sofort wieder weg. Denn ich wollte ja etwas mit Eiweiß, und alles andere hätte mich in dem Moment nicht zufrieden gestellt.
Inzwischen ist auch alles wieder völlig normal und mein Appetit auf Eiweiß bewegt sich wieder im normalen Bereich. Trotzdem hat mich diese Erfahrung wieder darauf gebracht, weswegen ich das Thema hier eigentlich aufgreife: der Eiweißmangel bei Bulimie.

Warum sind Betroffene gefährdet, einen Eiweißmangel zu entwickeln?


Wie komme ich darauf? Nunja, Bulimie äußert sich ja nunmal in Heißhungerattacken. Während der restlichen Zeit ernähren sich die Betroffenen ja eher "zurückhaltend". Das heißt, das oft auf Lebensmittel zurückgegriffen wird, die nicht unbedingt reich an Eiweiß sind. Vielmehr werden eiweißhaltige Dinge eher vermieden. Es ist gut möglich, dass viele z.B. aufgrund des Buchs "Zucker und Bulimie" mittlerweile wissen, dass man mit Eiweiß oder Eiweißshakes den FAs vorbeugen kann, aber ob Betroffene das dann auch so machen, steht auf einem anderen Blatt.
Die herkömmlichen eiweißbetonten Lebensmittel wie Fleisch- und Wurstwaren, Fisch oder Käse sind entweder meistens Teil einer "richtigen Mahlzeit" (wie Fleisch, also schwierig) oder fetthaltig (Wurst oder Käse, wegen des Fetts auch schwierig). Andere Milchprodukte wie Joghurt sind nicht unbedingt stark fetthaltig, enthalten aber auch keine großen Mengen an Eiweiß. Zu den ganzen Überlegungen kommt noch hinzu, dass viele Betroffene vielleicht vegan oder vegetarisch sind, und aufgrund dessen viele Eiweißquellen für sich ausschließen.

Eine normale Ernährung, die den Eiweißbedarf deckt, ist bei Betroffenen aufgrund der Natur der "Sache" nicht gegeben. Hinzu kommt eine körperliche Komponente. Kohlenhydrate werden, auch abhängig von ihrer Komplexität, z.B. teilweise schon im Mund resorbiert. Wenn erbrochen wird, können also dennoch "wenigstens" oftmals schon ein paar Kohlenhydrate aufgenommen werden. Proteine hingegen werden zunächst aufgespalten und schließlich im Dünndarm resorbiert. Dahin gelangen sie oftmals jedoch durch das Erbrechen erst gar nicht. Dadurch kann bei Bulimie durchaus ein Eiweißmangel entstehen.

Es ist also relativ wichtig, den Unterschied zu kennen und mal bei sich zu beobachten, worauf sich der Appetit wirklich bezieht, auch um tatsächlich einen Eiweißmangel zu beheben - der unter anderem auch Essanfälle nach sich ziehen kann.

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