Samstag, 5. April 2014

Wie kann man sein Selbstwertgefühl stärken?

Viele Bulimiebetroffene, wenn nicht sogar die meisten, strotzen nicht gerade vor Selbstwert. Manchmal liegt das in der Kindheit begründet, weil ihnen immer wieder eingeredet wurde, sie könnten nichts und seien nichts wert. Manchmal kommt das Defizit auch erst mit der Bulimie (so war es bei mir). Doch wo auch immer das Gefühl begründet liegt- sie glauben, selbst nicht besonders viel wert zu sein und kommunizieren das in (fast) jeder Lebenssituation. Doch worin genau unterscheiden sich Menschen mit zuwenig von Menschen mit gesundem Selbstwertgefühl?

Das möchte ich mit einer kleinen Geschichte verdeutlichen. Anna und Lisa haben vor kurzem denselben Job angetreten. Sie arbeiten an einer Supermarktkasse. Es kommt häufig vor, dass Kunden pampig sind, den Gruß der Kassiererin nicht erwidern und wortlos ihre Ware einpacken und aus dem Supermarkt rennen, ohne jedes Danke oder Bitte. Anna geht so ein Verhalten immer ziemlich nahe. Sie glaubt, dass solche Kunden sie nicht sympathisch finden, sie sogar bemitleiden oder auf sie herabschauen und deshalb nicht grüßen. Schon nach dem ersten Tag hat sie vor dem Einschlafen Bauchschmerzen, sie hat Angst vor dem nächsten Tag. Am nächsten Tag wieder dasselbe Spiel: manche Kunden sind unfreundlich. Ich bin für diesen Job einfach zu hässlich, sagt sie sich, mit einer so abstoßenden Person wie mir will eben niemand etwas zu tun haben. Nach 3 Tagen Quälerei kündigt sie den neuen Job. Die Erfahrung, die sie gemacht hat, deckt sich mit ihrem Selbstbild: sie findet sich abstoßend. Lisa dagegen ist gespannt auf die neue Erfahrung, die sie in dem neuen Job machen wird. Sie will etwas über sich und andere Menschen lernen. Sie will natürlich auch einfach einen guten Job machen und ist freundlich wie Anna. Aber sie lässt sich nicht alles bieten. Manchmal reißen Jugendliche blöde Sprüche, die sie geübt kontert. Wenn jemand unfreundlich ist und nicht grüßt, hat derjenige ihrer Meinung nach einen schlechten Tag oder hat es einfach nie anders gelernt. Da kann sie dann auch nichts machen, es gibt genug andere Kunden, die sehr freundlich sind, aber darauf verlässt sie sich nicht. Sie macht ihre eigene Laune nicht davon abhängig, wie ihre Kunden gerade drauf sind. Wenn ein Kunde besonders freundlich ist, freut sie sich natürlich trotzdem. Manchmal schafft sie es auch, einem traurig dreinblickendem Kunden ein kleines Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Nach 3 Tagen hat sie jede Menge gelernt und freut sich, dass sie soviel Kontakt zu Menschen hat.

Was ist der Unterschied zwischen Anna und Lisa und warum gehen beide mit derselben Situation völlig unterschiedlich um? Die Antwort heißt: sie haben ein unterschiedliches Selbstwertgefühl.

Wie kann man sein Selbstwertgefühl stärken?

1. Eigene Stärken aufzählen (was kann ich gut, was habe ich gut gemacht?)
Am Besten nimmst du dir jetzt gleich ein großes Blatt Papier und zählst so viele Punkte auf, die du gut kannst, bis das Blatt voll ist. Zähle mindestens 20 Punkte auf. Das schaffst du!

2. Dankbarkeit zeigen (jeden Abend vor dem Einschlafen aufzählen, was gut gelaufen ist)
Sich auch über die kleinen Dinge zu freuen, und sich vor allem über diese zu freuen, kann schon einen großen Teil der eigenen Zufriedenheit ausmachen. Ein kleines Beispiel: als ich gestern einkaufen war, und es war Samstag Vormittag, reichten die Schlangen an den Supermarktkassen bis nach ganz hinten zu den Kühltruhen (jeder Lidl sieht doch irgendwie gleich aus). Natürlich blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit meinem mini-Einkauf (ein Stück Butter und eine Gurke) ganz hinten anzustellen. Aber ich hoffte insgeheim, dass doch eine neue Kasse geöffnet werden würde ich dann ganz vorne landen würde. Und, was passierte? Genau, es öffnete eine neue Kasse und ich war die Erste. Darüber habe ich mich gefreut, anstatt griesgrämig zu jammern, dass schon wieder so viel los ist. Noch am Ende des Tages erinnerte das Erlebnis mich daran, wieviel Glück ich doch so oft habe.

3. Herausforderungen suchen
Anglizismen sind heute aus der deutschen Sprache nicht mehr wegzudenken- so ist die Challenge fester Bestandteil des deutschen Wortschatzes geworden. Wie schon so oft beschrieben, wird die Angst kleiner, wenn man sich ihr stellt. Behandelt die Überwindung der Angst als Challenge, stellt sie euch als Aufgabe. Wenn ihr Angst davor habt, jemandem um Hilfe zu bitten, dann fangt ganz klein an. Fragt zum Beispiel einen Passanten nach dem Weg - "wer nicht fragt, bleibt dumm"! Man lernt nur dazu, wenn man Fehler macht, daraus lernt und wenn man Andere um Hilfe bittet. Es ist völlig unmöglich, dass jeder alles gut kann, darum hat jeder seine eigenen kleinen Spezialgebiete, in denen er besonders gut ist. Oft fühlen sich Andere auch geschmeichelt, wenn man sie um Hilfe bittet oder ihren Rat erfragt, denn damit erkennt man an, dass sie etwas besonders gut können oder wissen.
Eine Herausforderung hat aber natürlich nicht nur damit zu tun. Eine Herausförderung könnte zum Beispiel auch sein, mal etwas anders zu machen als sonst. Oder mit einer Person zu sprechen, mit der man täglich zu tun hat, die man aber nicht wirklich gut kennt.

4. Zu seinen Fehlern stehen, nicht perfekt sein wollen (worum wirst du beneidet)
Kleine Macken machen einen Menschen erst liebenswert. Und das gilt besonders dann, wenn dieser Mensch von diesen Macken weiß und dazu steht, sie sogar zu seinem Markenzeichen macht. Man könne unterscheiden zwischen äußerlichen und innerlichen Macken. Im Barock gab es beispielsweise die Verherrlichung einer äußerlichen Besonderheit, dem Schönheitsfleck, der ein Gesicht erst schön zu machen schien. Cindy Crawford war eines der ersten Topmodels überhaupt, und das trotz ihres markanten Muttermals an ihrer Oberlippe, und auch Marilyn Monroe hatte einen Leberfleck auf der Wange. Vanessa Paradis´ strahlendes Lächeln schmückt eine gigantische Zahnlücke. Die Besonderheit an Angela Merkels Sprache ist u.a. ihr leichtes Lispeln, und Marcel Reich-Ranickis Lispeln ist beinahe sein Markenzeichen. Aber auch innerliche Imperfektionen sind kein Grund zur Verzweiflung. Wer würde von einem Tennisspieler erwarten, dass er beim Mahlen nach Zahlen besonders ausdauern ist?

Neben diesen gibt es gibt noch weitere Möglichkeiten, um seinen Selbstwert aufzubessern. Ihr findet sie in den kommenden Artikeln der nächsten Wochen!

Montag, 31. März 2014

Einfach so


Life isn't a race, so take it slower,
hear the music before your song is over.
- David L. Weatherford