Mittwoch, 18. April 2012

Sich selbst lieben lernen

Wie kann ich lernen, mich selbst zu mögen? Mich selbst zu respektieren? Meine eigene Meinung anzuerkennen? Mich vor anderen zu verteidigen? Mich nicht kleiner zu machen, als ich bin? Mich als eigenständige und ehrwürdige Person zu sehen?
Es gibt mehrere Möglichkeiten, das zu erreichen. Und es ist machbar. Wie vieles im Leben dauert es seine Zeit, was daran liegt, dass wir eine neue Einstellung üben müssen. Wir müssen sie regelrecht trainieren, aber wie beim Sport ist es so, dass es sich regelrecht Woche für Woche verbessert.
Eine Möglichkeit ist folgende: Behandle dich selbst wie einen besten Freund.
Die folgenden Tipps habe ich hier gefunden und sie lauten:


"Sie sind für den anderen da, wenn er Sie braucht.
Sie helfen ihm, wo Sie können.
Sie lassen ihn nicht im Stich, wenn er Probleme hat.
Sie versuchen, ihn aufzurichten, wenn er deprimiert ist.
Sie machen ihm Mut, wenn er mutlos ist.
Sie haben Verständnis für ihn, wenn er Fehler macht.
Sie verzeihen ihm, wenn er schlecht gesprochen oder gehandelt hat.
Sie sagen ihm nette Dinge.
Sie halten auch in schwierigen Zeiten zu ihm.
Sie machen ihm kleine Geschenke.
Sie respektieren ihn und seine Meinung.
Sie nehmen ihn ernst und machen sich nicht lustig über ihn.
Sie sind offen und ehrlich zu ihm.
Sie sind ihm gegenüber tolerant.
Sie trösten ihn, wenn es ihm schlecht geht."


Da gibt´s nur eins: üben, üben, üben :)

6 Kommentare

  1. Nadja18/4/12

    Es wäre toll, wenn du mal darüber schreiben könntest, welche Lebensmittel du so isst und wo die Gefahr eines Fressanfalls gering sind. Vielleicht auch ein paar Gerichte nennen...
    mir tut dein Blog unheimlich gut. Ich bin seit Montag nicht mehr für einen FA einkaufen gegangen und habe wieder die Kraft, die Bulimie überwinden zu wollen. Ich mache zwar auch eine Psychoanalyse, allerdings fühlt man sich ja irgendwie doch alleine, weil man es verheimlicht. Dazu kommt, dass ich oft denke, dass niemand mich und meine Gedanken wirklich verstehen kann.
    Ich bin ungefähr in deinem Alter und kämpfe momentan mit den körperlichen Konsequenzen der Essstörung. Meine Zähne sind stark angegriffen und ich muss jetzt einfach einen Schritt in Richtung Gesundheit gehen, wenn ich mich nicht zerstören will.
    Deine Beiträge sind nicht oft kommentiert, aber ich bin mir ganz sicher, dass sehr, sehr viele Menschen deine Beiträge lesen und versuchen, sich daran festzuhalten.
    Du machst mir unglaublich viel Mut! Danke!

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  2. Manchmal denke ich mir schon, liest das überhaupt jemand? Und sind meine Einträge nicht zu unsensibel, zu besserwisserisch, zu wenig emotionsbeladen? Aber solche Kommentare motivieren ungemein, weiterzuschreiben. Einen beispielhaften Tag kann ich demnächst gern mal veröffentlichen. Ich wünsch dir alles erdenklich Gute, du schaffst das!

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  3. Nadja18/4/12

    Nein ganz im Gegenteil, deine Beiträge sind toll! Du schreibst sehr reflektiert, kritisch und hast sehr viele Tipps. Wenn ich mich mit der Krankheit auseinandersetzen will, lese ich zwischendurch immer wieder deine alten Beiträge..
    Es wär toll, wenn du einen beispielhaften Tag beschreiben würdest. Ich bin im Moment ziemlich überfordert mit einem "normalen Essverhalten".
    Ich habe weder ein Gefühl für die richtige Menge noch für die "richtigen" Lebensmittel.Natürlich gibt es da bestimmte Richtlinien, aber das Gefühl für das richtige Maß ist eben überhaupt nicht vorhanden. Bis vor kurzem habe ich noch mehrmals am Tag erbrochen, nach einer normalen Portion spüre ich überhaupt kein Sättigungsgefühl sondern muss mir selbst sagen, dass das jetzt genug ist. Komischerweise bin ich erst jetzt an dem Punkt angelangt, wo ich sagen kann, ich will da raus. Früher wollte ich das zwar auch, allerdings habe ich insgeheim die Bulimie geliebt und gehütet wie mein eigenes Kind. Ich habe Ratgeber ohne Ende gelesen und doch bringt das alles nichts, wenn man kopfmäßig noch nicht soweit ist.Vielleicht muss man auch erst so tief drin stecken, dass man sich wirklich fragt, wie das eigene Leben weitergehen soll. Ich freue mich auf alle neuen Beiträge, deine Gedanken und Hinweise! :-)

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    1. Ja, dieses Sättigungsgefühl hat teilweise -das ist meine Vermutung und auch Erfahrung- mit dem ausgeweiteten Magen zu tun, der sich erst wieder zurückbilden muss. Das Sättigungsgefühl wird ja zum Teil auch durch die rein mechanische Ausweitung verursacht. Die funktioniert natürlich nur, wenn der Magen nicht 4l fasst (wie es bei Bulimie oft der Fall ist)....Normalesser schaffen diese Mengen ja gar nicht. Ich will dir und allen anderen nur Mut machen, denn es ist wieder in den Griff zu kriegen! Am Anfang ging es bei mir durch pure Disziplin. Mit der Zeit wird es immer einfacher, man kann wieder klare Gedanken fassen (bei ständigen FAs ja fast unmöglich, also auch rein aus versorgungstechnischen Gründen - da mit Elektrolyten, Mineralien, Zucker unterversorgt). Ich seh schon, es gibt noch Material für weitere 100 Beiträge :) Im Moment hab ich einen Posturlaub eingelegt, danach geht es wieder mit vollem Elan an neue Artikel. Bis dahin alles Gute für dich!

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  4. Anonym20/4/12

    Hallo Nadja und Jo,
    Ich war noch nie auf dieser Seite und kannte Bulimie bis vor ein paar Tagen nur sehr aus der Ferne..
    Vor ein paar Tagen ist nun aber die schwester eines freundes an dieser Krankheit verstorben. Wenn ich nun der ganzen geschichte zuhöre, erscheint es wie eine furchtbare sackgasse in die dieses Mädchen gelaufen ist. Leider hat sie es nicht rechtzeitig verstehen können, dass Hilfe von außen keine bevormundung bedeutet, sondern eine wirkliche Hilfe ist. Diese Krankheit ist fürchterlich und ich glaube, dass sich die gewohnheit von essen und brechen leider so unglaublich tief einprägen kann, dass es nach einer weile einfach zu spät ist. bei diesem Mädchen war es so. Ihr fehlte in den letzten Jahren durch den ständigen Hunger schlicht und einfach die Kraft um zu verstehen. jeder neuer Gedanke, jede Kreativität braucht doch energie. wenn der Tag jedoch nur noch aus dem einen Thema essen oder nicht essen besteht, ist dafür irgendwann kein platz mehr.
    Ich will euch das so gern ans Herz legen, da ich persönlich, und ich bin rettungsassistentin und habe schon einige schlimmer Krankheiten miterlebt, noch nie eine traurigere Geschichte mitbekommen habe. Es gibt Kliniken und Gruppen und wahrscheinlich noch viel viel mehr junge Menschen die in diesen fürchterlichen Kreislauf geraten sind. Ich persönliche könnte mich schon unglaublich ärgern wenn ich selbst nur darüber nachdenke wieviele Tage ich schon damit verbracht habe über dick-dünn-essen-und abnehemen!nachzudenken. Die wohnung in der dieses Mädchen die letzten Jahre wohnte, bestand übrigens auch hauptsächlich aus Essen. Dafür ist unser leben doch wirklich nicht da.
    Ich wünsch euch alles liebe und viel Kraft!
    Niji

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  5. Das klingt nach einem schrecklichen Schicksal. Genau um solche Geschichten zu verhindern, hab ich den Blog gestartet. Um zu zeigen, wie wunderschön das Leben ohne Bulimie und andere Essstörungen ist!! Das Schlimme ist, wenn man noch feststeckt, hat man oft Phasen, in denen man das Licht am Horizont nicht sehen kann. Man kann es sich schlicht und ergreifend nicht vorstellen, wie viel man tatsächlich erreichen kann, wieviel das Leben noch bereit hält, wenn man die Bulimie gehen lässt. Es gibt zig Ansätze, wie man das hinbekommen kann, und im Lauf meiner eigenen Geschichte hab ich festgestellt, dass zwar viele Methoden helfen können, aber dass ICH letztendlich der entscheidende Faktor bin. Das versuche ich zu verbalisieren. Leute, nehmt euer Leben in die Hand, denn das nimmt euch niemand ab. Es gibt keine andere Möglichkeit!! Aber das ist eine Sache, die nicht nur Bulimiker betrifft. Einzusehen, dass man selbst die Zügel in die Hand nehmen muss. Das ist eigentlich der Schlüssel. Es tut mir wirklich leid, was mit der Schwester deines Freundes passiert ist. So etwas passiert sicher öfter, als man denkt. Und das darf nicht sein. Es muss mehr Leute geben, die Betroffenen die Augen öffnen. Ein wichtiger Schritt ist hier, zu motivieren. Zu sagen, dass es funktioniert, dass man wieder rauskommen kann. Ich will in dem Blog bewusst nicht diese ganzen schrecklichen Sachen zeigen, sondern den Fokus auf das Positive richten. Meiner Erfahrung hat gezeigt, dass man mit diesem Ansatz viel mehr erreichen kann. Alles Gute für dich & auch für deinen Freund, Jo

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