Therapie

Alles was du über Therapie und Behandlung von Bulimie wissen musst



Die herkömmliche Auffassung von Therapie 


"Die Behandlung der Bulimie kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Je intensiver die Symptome sind und je häufiger erfolglos versucht wurde, die Erkrankung mit ambulanten Massnahmen zu verbessern, desto eher ist eine stationäre Behandlung angezeigt. 

Die Schwierigkeit bei der Behandlung der Bulimie ist, dass die Betroffenen keine Ess-Brechanfälle mehr haben wollen, dabei jedoch die notwendige Rhythmisierung des Essverhaltens ablehnen, da sie eine Gewichtszunahme befürchten oder eine weitere Gewichtsabnahme anstreben.

Zur Behandlung der Ess-Brech-Symptomatik ist unumgänglich, dass folgendes angestrebt resp. erreicht wird:
Rhythmisierung der Nahrungsaufnahme (mindestens 3 Hauptmahlzeiten täglich sitzend zu sich nehmen)
Aufgeben eines unrealistischen Zielgewichts (eines Gewichtes, das unterhalb des individuellen Setpoint-Gewichtes liegt)
Ausdehnen von Phasen ohne Ess-/ Brechanfälle
Suchen anderer Formen, sich zu beruhigen
Versuchen, innere Unruhe zu verstehen und auszuhalten" 


- Auszug aus dem Netzwerk Essstörungen


Meine Auffassung von Therapie


Vorteil herkömmlicher Therapien 

Der Vorteil stationärer und auch ambulanter Therapien ist es immer, einen ganz persönlichen Ansprechpartner zu haben, der exklusiv mit dem Betroffenen über seine Erkrankung spricht und der vor allem dafür qualifiziert ist, Auskunft und Hilfestellung zu geben. 

Nachteile herkömmlicher Therapien 

Ein ganz gravierender Nachteil ist, dass die herkömmlichen Psychotherapien nach dem psychodynamischen Ansatz arbeiten. Dieser besagt, dass nicht ausgetragene vergangene psychische Konflikte und Konflikte im Alltag für die bulimische Symptomatik verantwortlich sind. Werden diese auf andere Art und Weise bewältigt, kann der Betroffene die Bulimie überwinden. Dieses Modell ordnet die Bulimie als seelisch bedingte Störung ein. Eine gestörte Emotionsregulation ist wesentlicher Bestandteil einer solchen.

Risiken herkömmlicher Therapien 

Dieses Denkmodell birgt die immense Gefahr, dass Betroffene entweder zur Überzeugung gelangen, sie müssten möglichst viel dafür tun, um so wenige Konflikte wie möglich überhaupt erst entstehen zu lassen, weil sie völlig überfordert mit solchen alternativen Bewältigungsstrategien sind. 

Wenn davon ausgegangen wird, dass Betroffene sich den Essanfällen hilflos ausgeliefert fühlen 
(Zitat der Schön Klinik: "Patienten sind dann hilflos einem Kreislauf von Heißhungeranfällen, ständigem Essen und nicht funktionierenden gegensteuernden Maßnahmen ausgesetzt."),
fühlen sie sich auch nicht aktiv dazu in die Lage versetzt, sie angemessen zu verhindern


Mögliche Folgen herkömmlicher Therapien 

Ein möglichst zurückhaltendes, harmoniebestrebtes Verhalten und eine unauffällige und übermäßig angepasste Lebensweise können Folgen solcher Überlegungen sein. Wichtiger ist jedoch, dass sich Betroffene der Krankheit ausgeliefert fühlen. Ob sie die Bulimie überwinden können oder nicht, erscheint ihnen dann wie ein Glücksspiel, auf das sie selbst wenig Einfluss haben.


Die Heilung von Bulimie muss nicht Jahre in Anspruch nehmen

Liegen der Bulimie keine ursprünglichen psychischen Koerkrankungen zugrunde, dann kann sie im Wesentlichen als rein neurologisch bedingte Fehlprogrammierung betrachtet werden, die "relativ" einfach reversierbar ist. 

Die bulimische Symptomatik ist in diesem Sinne eine Gewohnheit, d.h. eine Verhaltensweise, die der Betroffene durch die Repetition der FAs automatisiert hat und die dadurch vom Gehirn als einfachste und energiesparendste Reaktion auf viele Alltagssituationen erkannt wird. Durch die Nichtausführung der bulimischen Symptomatik kann der Automatismus wieder entkernt und somit ausgeschaltet werden. 

Neue Vernetzungen im Sinne neuer Gewohnheiten entstehen bereits nach wenigen Wochen. Dadurch kann eine signifikante Reduktion der herkömmlichen Therapiedauer erreicht werden. Darüber hinaus wird der Betroffene durch die Grundannahme dieses Therapiemodells selbst in die Lage versetzt, Herr über sein Schicksal anstatt der Erkrankung "hilflos ausgeliefert" zu sein und erfährt dadurch eine wesentliche Aufwertung seines Selbstbilds und Selbstwerts.

Meine im Blog vertretene Perspektive basiert auf den Ansätzen der Humanistischen Psychologie und ist von deren wichtigsten Vertretern stark beeinflusst. Insbesondere Viktor Frankl hat mit seinen Theorien der Logotherapie und der Existenzanalyse starken Einfluss auf mich genommen, aber auch Ruth Cohn und Friedemann Schulz von Thun haben mich nachhaltig beeindruckt. Eine wirkungsvolle Therapie muss den Menschen als mächtigen Schöpfer seiner Lebenswirklichkeit anerkennen und ich hoffe, dass ich durch meinen Blog Betroffene in dieser Hinsicht stärken kann.

5 Kommentare

  1. Hallo!
    Dein Blog ist toll. Danke!
    Aus der Fachperspektive würde ich gerne nur ergänzen, dass nicht alle "herkömmlichen" Psychotherapien ein Konfliktmodell zugrunde legen. Besonders die Verhaltenstherapie hat ein anderes Störungsmodell, welches unter anderem der Körperunzufriedenheit eine zentrale Bedeutung beimisst. Außerdem sieht sie auch die biologischen Faktoren die zur Aufrechterhaltung beitragen als wichtig an. Denn selbst wenn Kopf und Herz und Verstand wollen, gibt es Dinge die mit auch rein biologisch bedingt sind können (z.B. schnelle Völlegefühl durch Mangel an Kalium; welche durch psychische Faktoren verstärkt oder abgeschwächt werden können).

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  2. Anonym17/4/17

    Bulimie, nein danke!
    Nach 23 Jahren Essstörungen (davon 13 Jahre mit Bulimie) und zahlreichen Therapien, Klinikaufenthalten etc. habe ich endlich! die einfache Lösung meines Problems gefunden.
    Verträge in der Klinik, was ich alles zu essen habe etc. haben den Druck erhöht, den ich mir selbst gemacht habe. Als reflektierter Mensch sind diese ganzen Therapien für mich, immer nur die Suche gewesen, endlich den Weg aus der Essstörung zu finden, die mir sehr bewusst war.

    Nach diesen ganzen Jahren, habe ich einen Heilpraktiker und Ernährungsberater getroffen (auch Schulmediziner), der mir geraten hat, alles an Getreide (+Mais + Soja)aus meinem Leben zu verbannen und "auszuleiten". Seit 6 Monaten bin ich - von heute auf morgen - anfallsfrei geworden.
    Alle "Suchtmittel" sind einfach weg und ich kann endlich essen und trinken was ich möchte, bis ich satt bin, ohne permanent das Gefühl zu haben, übersättigt zu sein.
    Bis heute ist keine Glutenunverträglichkeit diagnostiziert und trotzdem hat mich der komplette Verzicht von der Bulimie befreit!
    Ich kann jedem nur raten, die WEIZENWAMPE, MEIDE GETREIDE und andere Bücher als Anregung zu lesen (und nein, ich bin nicht in die nächste Essstörung geschlittert!)
    Mir hat es meine Gesundheit zurück gegeben und ich kann Betroffene nur ermutigen auch andere Wege auszusprobieren, denn nicht alle Probleme sind durch die Psyche verursacht.

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  3. Liebe Leut, ich find den Blog auch toll...und
    es hilft mir schon ein bisschen weiter. Allerdings habe ich Anorexie und habe Phasen wo ich das was ich essen (kann) eher wieder erbreche.
    Eine Frage an Euch - falls jemand damit Erfahrungen sammeln konnte : Gibt es Nahrungsmittel die über die Aufbauphase helfen?
    Ich vertrage keine normale Ernährung mehr und muss mich quasi häppchenweise durch den Tag
    hangeln . Schonkost? Darauf hab ich eigentlich keine Lust aber wird wohl nicht anders gehen.

    Und wisst Ihr einen guten Blog speziell für Anorexie? Bei mir geht das schon Jahrzehnte. Austherapiert. Option Hilfe zur Selbsthilfe. Oder friss oder stirb.

    Danke
    Ute

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    1. Hallo Ute,

      was genau meinst du mit "Aufbauphase"?

      Ich kann dir zwar keinen Blog speziell für Anorexie nennen, jedoch kann ich dir nur sagen, dass es auch nach Jahrzehnten noch Auswege aus der Essstörung gibt - Selbsthilfe ist hier tatsächlich das Stichwort. Es war ja bei mir selbst auch so, dass nur mit der eigenen Idee, wie die eigene Heilung funktionieren könnte und der Beschaffung entsprechender Informationen die Genesung Fahrt aufgenommen hat.

      Natürlich weiß ich nicht, welche Therapien du schon gemacht hast und kenne mich mit Anorexie im Speziellen auch nicht super aus.

      Probier vielleicht auch mal das ein oder andere jenseits des herkömmlichen Wegs, auch im Hinblick auf Therapien. Es gibt da so Vieles. Es gibt immer mehrere Hebel, an denen man ansetzen kann.

      Viele Grüße
      Johanna

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    2. Anonym31/10/17

      Liebe Ute, merkst du nicht selber, welche Nahrung dein Körper besser verträgt? Ich würde ein bisschen ausprobieren und Sachen essen, die du vor allem auch gern hast. Immer so viel, dass du das nachher aushältst und nicht kotzen musst. Ich würde darauf achten, eher kalorienhaltige aber leicht verdauliche Produkte zu essen und vor allem nicht viel Gemüse! Ich habe immer viel Gemüse und wenig anderes gegessen, aber es kann ein Stolperstein sein...! Einfach nicht so viele der schwer verdaulichen Sachen. Es ist ja eine andere Situation als ein reiner Bulimiker. Also eher Pasta (aber mit einer feinen Sauce), Kartoffeln, Brot mit Butter und Honig, etc. Risotto (natürlich gut gemacht mit Käse und Butter und Pilzen oder Speckwürfeli oder so ;)) Polenta mit ein bisschen Käse und Tomatensauce etc. Wenn Fett dabei ist, geht es auch nicht so schnell ins Blut wie reine einfach Kohlenhydrate. Das wäre meine Strategie in deiner Situation =). Je nach Grösse der Portion bekommst du schneller oder weniger schnell wieder Hunger. Versuchen =) So kannst du dich auch an das "normal essen" herantasten?Herausfinden. Du schaffst es. Mit Therapien kann ich mich leider auch nur als Motivationsstütze anfreunden... falls du englisch sprichst, vielleicht gibt es dort bessere Blogs?

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