Samstag, 18. Januar 2014

Wie halte ich erfolgreich mein Gewicht?

Dieser Artikel kommt wahrscheinlich einem Tabubruch gleich. Man darf Bulimikern nicht dabei helfen, abzunehmen oder ihr Gewicht zu halten. Das Ziel einer Therapie besteht doch darin, Bulimiker frei von den ständig kreisenden Gedanken ums Gewicht zu machen.

Dieses Tabu hat Bestand, obwohl die Wirklichkeit doch so aussieht: der Großteil der Bulimiker ist normalgewichtig; ein Teil hat Übergewicht. Das Bild vom dürren Bulimiker, das immer wieder durch die Medien geistert, findet sich in der Realität nicht wieder.

Es ist meiner Meinung nach auch unsinnig, um nicht zu sagen hinterhältig, Betroffenen ein Bild vom geheilten Bulimiker vorzuhalten, der immer alles isst, wonach ihm gerade ist, und der sich überhaupt keine Gedanken mehr um sein Gewicht machen muss. Wir müssen uns eingestehen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der die Schönheit einer Frau direkt von ihrem Gewicht abhängig gemacht wird. Und ja, auch ich möchte gern schön sein, möchte mich mit meinem Gewicht wohlfühlen und dazu stehe ich. Dabei steht immer noch die Frage im Raum, ob es ein sog. genetisch vorbestimmtes Gewicht oder einen Gewicht-Bereich gibt. Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen und auch unterschiedliche Studien. Aber wie dem auch sei: ich persönlich fühle mich mit meinem derzeitigen Gewicht im sogenannten Normbereich sehr wohl, bin sportlich aktiv und fit. Das ist mir wichtig. 

Ich will euch ein paar Hilfestellungen geben, wie ihr euer Gewicht halten könnt, vor allem wenn ihr versucht, euch ein normales Essverhalten anzugewöhnen. 

  • 2-3 feste Mahlzeiten (keine Zwischenmahlzeiten und mind. 4 Stunden Pause zwischen den MZ)
  • Regelmäßiger Sport (wichtig für ein gutes Körperbewusstsein)
  • nicht essen, wenn man nicht hungrig ist! (!)
  • nicht überessen (aber keine Panik, wenn das am Anfang öfter passiert- das ist auch normal!)
  • Im Alltag Ruhe-Inseln schaffen oder genug Freizeit (zuviel Stress kann Übergewicht fördern)
  • Sich Zeit zum Ausprobieren geben: Wie wirken verschiedene Lebensmittel? Welche tun mir gut? Was "erdet" mich?
  • Sich Zeit zum Überlegen geben: Was möchte ich essen? Worauf habe ich jetzt Lust?
  • Passende Uhrzeiten für untersch. Lebensmittel herausfinden (Abends eher warme Speisen, weniger Rohkost)
  • Rituale zum Abschließen einer Mahlzeit (z.B. warmes Getränk, Dessert)
  • Nicht zuviele Kohlenhydrate (da diese durch verschiedene chemische Reaktionen im Gehirn extrem wirken können und zum FA führen können)
  • Es sich beim Essen gemütlich machen und schön anrichten (Restaurant-ähnlich)
  • Lieber kleine Packungen von allem kaufen (Bioladen, Gemüse und Obst oder sogar lose Ware wie beispielsweise Haferflocken individuell verpacken) 
  • Nicht gestresst essen (z.B. nicht direkt nach dem Nachhausekommen, sondern erst ein wenig entspannen)
  • Auch mal in Gemeinschaft essen (Mensa, ...)
  • Keine Vorräte einkaufen (wenn nötig und möglich, auch den Partner darum bitten, keine "gefährlichen" Lebensmittel aufzubewahren)
  • Distanz zum eigenen Körper überwinden (Studien zeigen erhöhte Objektivierung bulimischer Frauen, neben verzerrten Körperbild- auch hier wieder der Tipp, Sport zu machen)

Abschließend: Nicht jeder Tag muss in jeder Hinsicht "perfekt" ablaufen. Es gibt mal Tage, da isst man eher ungesund und / oder viel, und dann wieder andere, da hat man vielleicht auch nicht allzu großen Appetit (evtl. zyklusabhängig!). Spüre deinen Gelüsten nach und sei ehrlich zu dir (nicht Karotten essen, wenn man lieber einen Keks möchte). 

6 Kommentare

  1. Anonym27/1/14

    Kontrolle. Und Beherrschen. Den Körper nach seinen Vorstellungen formen. Drillen. Zügeln.

    Ihr ganzer Blog kommt mit äußerst suspekt vor - da ist mir noch viel zu viel krankes Gedankengut, als dass ich hier eine in irgendeiner Art geheilte oder die Bulimie hinter sich gelassen habende Frau erkennen kann.
    Diese Tatsache an sich stellt ja noch kein Problem dar (natürlich - für die Betroffene, also Sie persönlich natürlich schon).
    Dass die kranke Frau allerdings Bloggerin ist und ihre kruden Gedanken an andere Betroffene unter dem Denkmantel der Heilung verbreitet ist ein absolutes Unding!
    Die

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    1. Ok, das ist Ihr Eindruck. Mit solchen Reaktionen hatte ich ja schon gerechnet.
      Dazu würde ich Ihnen gern 2 Fragen stellen: Warum glauben Sie, dass ein normales Gewicht und ein gesundes Essverhalten sich ausschließen? Und wie würde sich dann ein Mensch verhalten, der- Ihrer Meinung nach - gesund isst, im Gegensatz zu der Darstellung hier?

      Eine gewisse Selbstkontrolle ist angesichts des Überflusses an Lebensmitteln, chemischen Zusatzstoffen und der industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln in unserer Gesellschaft einfach unerlässlich. Man muss schon ein bisschen mehr über Lebensmittel wissen, um ihre Wirkungsweise speziell auf Bulimiker beurteilen zu können, glauben Sie mir.

      Lieber schreibe ich "schonungslos" die Wahrheit, anstatt Betroffenen vorzuheucheln, Sie würden sich NIE mehr Gedanken über das Essen machen. Ich halte solche Darstellungen für extrem schädlich, weil sie ein völlig falsches Bild vermitteln und Erwartungen erzeugen, die niemals erfüllt werden können.

      Im Übrigen bin ich seit mehr als 7 Jahren frei von bulimischen Symptomen. Als "kranke Frau" können Sie mich natürlich trotzdem bezeichnen, wenn Sie damit besser zurechtkommen.

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  2. Anonym28/1/14

    Ich habe in keinster Weise behauptet, dass sich gesundes Essverhalten und normales Gewicht ausschließen.
    Jedoch evozieren Ausdrücke wie "Selbstkontrolle" oder andere, die man hier an jeder Stelle des Blogs findet durchaus den Eindruck, dass Sie sich etwas vormachen, wenn Sie denken, Sie seien frei von bulimischen Symptomen.
    Die bestehen - wie sie ja sicher wissen - nicht nur aus Überessen und Übergeben sondern fangen im Kopf an.
    Ich denke, in dem Punkt machen Sie sich großartig selbst etwas vor.

    Rationalität, kontrollieren über Gedanken und Steuerungen der Handlung - das ist genau das Gegenteil, von dem, was "gesund" ist - denn ein gesunder Mensch hört auf seine Gefühle und Impulse, spürt nach und bleibt bei sich und hat Selbstkontrolle in Bezug auf Lebensmittel nicht nötig (und bitte führen Sie jetzt keine Diät-haltenden, Traumfigur-anstrebenden Frauen an, denn diese sind mEn auch nicht wirklich glücklich und völlig 'gesund' im weiteren Sinne).
    Es ist schade, dass Sie das gesunde Fühlen, Spüren und bei Sich Sein in 7 Jahren nicht lernen konnten.

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    1. Sie denken also, man bräuchte keinerlei Disziplin, um sich von der Bulimie zu befreien.

      Schauen wir doch mal, was die Wissenschaft dazu sagt. Sie haben das schon ganz richtig erkannt: Bulimie besteht nicht nur aus Überessen und Übergeben. Ein anfänglicher Schritt besteht aber darin, dieses Verhalten zu ändern. Die Frage ist, wie man das schaffen kann.

      Man weiß aus der Wissenschaft (Prof. Gerald Hüther spricht beispielsweise immer wieder darüber), dass man neue Verhaltensweisen erlernen kann, indem man sie immer wieder ausführt. Und um das eben immer wieder zu tun, ist eine gewisse Disziplin nötig. Und irgendwann ist das neue Verhalten dann so gut erlernt, dass man die Disziplin (oder "Rationalität, kontrollieren über Gedanken und Steuerungen der Handlung", wie Sie es nennen) nicht mehr braucht, weil es automatisiert funktioniert.

      Ich lade Sie auch dazu ein, meinen Blog zu LESEN. Lesen kann ein Anfang sein, um das Geschriebene zu verstehen. An keiner Stelle habe ich nämlich über ständige Selbstkontrolle geschrieben.

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  3. Anonym26/4/14

    Ich habe sehr lange überlegt, ob ich diesen sinnlosen Kommentar tatsächlich auch kommentieren soll, aber ich bin wirklich immer noch so gereizt, dass ich es nun tue.
    Ich finde es absolut unfassbar, wie man so etwas schreiben kann. Jo hilft meiner Meinung nach äußerst vielen Betroffenen hier sehr weiter! Sie hat nie behauptet, dass sie eine Psychotherapie ersetzt oder geschweige denn eine qualifizierte Therapeutin ist. Aber ich muss leider sagen, dass Jo mir mit ihrem Blog mehr geholfen hat und mir mehr Mut gemacht hat als meine 5 Therapeuten und mein Klinikaufenthalt. Also würde ich Sie wirklich herzlichst darum bitten diesen Blog vielleicht GANZ zu LESEN anstatt zu urteilen, nur um irgendetwas gesagt zu haben. Jo beschreibt hier nämlich sehr realistisch, authentisch und offen ihren ganz individuellen Weg und das ist besser als irgendeine Traumvorstellung, wie sie oftmals von Therapeuten vermittelt wird.
    Sie schreibt hier immer noch jeden Samstag einen Artikel und das müsste sie wirklich nicht tun, denn es könnte ihr sowas von egal sein wie es den anderen von uns geht- aber sie möchte helfen und ich finde das hat einen riesigen Respekt und viel Anerkennung verdient, denn sie macht das freiwillig.
    Es ist wirklich unglaublich, dass Menschen wie Sie tatsächlich nichts Besseres zu tun haben als jemanden schlecht zu machen und dessen Leistung nicht anzuerkennen. Und wenn Sie dieser Blog stört oder dessen Inhalte, dann sind Sie nicht gezwungen ihn zu lesen. Denn allem Anschein nach sind Sie nicht betroffen. Sie klingen meiner Meinung nach sehr nach einem Therapeut, dem es nicht passt was hier geschrieben wird, da diese Tipps nicht exakt mit den Lehrbüchern übereinstimmen. Leider gibt es sehr viele Betroffene denen die aktuellen Therapiemöglichkeiten nichts gebracht haben, darum bitte ich doch in diesem Zusammenhang alle Fachausgebildeten darum, ihre Therapieinhalte zu erneuern.

    J.

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  4. Anonym16/3/18

    Vielen Dank, liebe Johanna, für den Beitrag. - In Anbetracht dessen, dass viele Essgestörte erstmal ein Bild bzw. einen "Plan" brauchen, evtl. einen Rahmen, in dem Sie ich orientieren können, ist ihr Bericht absolut richtig und korrekt. Ehem. Esssüchtige müssen die Normalität des Essens (Zeiten, Portionsgrößen etc.) wieder regelrecht erlernen. Sie sind oft dankbar für eine "Richtschnur". Deshalb kann ich Ihnen, liebe Johanna, absolut nur zustimmen. Danke.

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